Gauck im Interview: Zuspruch als "Geschenk für die Politik"
Leipzig/Dresden. Joachim Gauck, der Kandidat von SPD und Grünen für das Bundespräsidentenamt, hat am Donnerstagabend auf einem sehr gut besuchten Leserforum der LVZ den Zuspruch, den er erlebt, als "Geschenk für die Politik" bezeichnet. In der Zustimmung für seine Person drücke sich eine Sehnsucht der Menschen nach etwas aus, an das sie glauben könnten. "Diese Menschen sind ein Geschenk für die Politik", sagte er. Ihn führe das nicht zu Übermut, sondern zu Dankbarkeit. "Ich bleibe fest auf dem Boden." Der Bürgerrechtler wies zugleich zurück, dass durch seine Wahl die schwarz-gelbe Regierung in Berlin zerbrechen würde. Er schätze und bewundere Angel Merkel (CDU). Die Kanzlerin würde in einer komplizierten Situation innovative Gestaltungsmöglichkeiten entdecken.
Zuvor hatte sich Gauck in Dresden den sächsischen Wahlleuten von SPD, Grünen und mehreren Linken präsentiert. CDU-Vertreter und Liberale kamen dagegen nicht. Stattdessen sprach FDP-Chef Holger Zastrow anschließend mit Gauck.
Nachdem SPD-Chef Sigmar Gabriel der Linken bei der Präsidenten-Debatte Sektierertum und Ex-Chef Oskar Lafontaines Kritik an Gauck und dessen DDR-Vergangenheit "skurril und peinlich" genannt hat, revanchierte sich am Donnerstag Linksparteichef Klaus Ernst. "Gabriel kann Lafontaine nicht das Wasser reichen. Sein Weg wird seit 1999 von Wahlniederlagen gesäumt", sagte er der LVZ. "Gaucks Scheitern wird Gabriels nächste Niederlage", prophezeite er. Der SPD-Chef habe nie das Gespräch gesucht. "Gabriel weiß genau, dass Gauck keine Chance hat. Er missbraucht Gauck für seine politischen Spielchen. Das ist unanständig und schadet dem Amt des Bundespräsidenten. Die fortgesetzte Beschimpfung unserer Wahlleute durch Kandidat und Parteichef der SPD ist jedenfalls ganz sicher nicht vertrauensbildend", sagte Ernst. Die Aufstellung Gaucks stärke in Wirklichkeit Schwarz-Gelb, weil Gauck für schwarz-gelbe Politik stehe. "Gauck ist gegen das Primat der Politik über die Wirtschaft und bejaht Sozialabbau. Das macht ihn für sozial denkende Menschen unwählbar", beschied Ernst.
"So sind sie", sagte Gauck dazu am Donnerstagabend auf dem LVZ-Forum. Wenn Lafontaine ihn kritisiere, wisse man nicht genau, ob er wirklich Gauck meine oder die SPD treffen wolle. Zum Sparpaket meinte er, dass der Sozialbereich, der über 50 Prozent des Staatsetats ausmache, natürlich nicht ausgenommen werden könne. Aber man müsse genau hinschauen und die Folgen der einzelnen Maßnahmen beachten. Auch von den Gutverdienenden könne man einen Beitrag zum Sparen verlangen.
Die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, hatte sich geweigert, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, auf scharfe Kritik. Sie könne das gar nicht behaupten, weil sie nicht in der DDR gelebt hat, erwiderte Gauck. Und fügte hinzu: "Natürlich war die DDR ein Unrechtsstaat. Dafür gibt es rechtliche, politische und moralische Gründe." Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus sprach von einer Provokation.