Handball
All Star Game in Leipzig: Nationalteam verliert - Heinevetter erneuert Kritik an DHB-Führung
Leipzig. Selten genug kommt es vor, dass in einer vollbesetzten Handballhalle die Stimmung einfach nur bestens ist. In der Arena Leipzig war sie es am Samstagabend. Beim All Star Game der Toyota Handball Bundesliga gab es vor 7532 Zuschauern schließlich nicht wirklich Gegner.
Dass sich nach 60 gespielten Minuten das All Star Team gegen die Deutsche Nationalmannschaft mit 36:32 (18:18) durchsetzte, war natürlich schön für die Sieger, aber im Grunde nur eine Randnotiz. Denn wenn sich die deutsche Auswahl und die von den Fans zusammengestellten Besten der Liga messen, dann geht es um Party, um Spaß, einfach darum zu zeigen: Handball, das ist schon lange keine Randsportart mehr.
Enttäuscht wurden nur diejenigen, die gehofft hatten, Vertreter des frisch gebackenen Europameisters Dänemark auf dem Parkett zu erleben. Weder Hans Lindberg noch Anders Eggert liefen auf. Lindberg hatte sich bereits im Vorfeld mit einer Rückenverletzung abgemeldet. Eggert sagte ebenso wie sein Flensburger Teamkollege Mattias Andersson am Samstagmorgen ab.
Wie Frank Bohmann, Geschäftsführer der Toyota HBL auf Anfrage sagte, sei eine Erkältung der Grund für das Fernbleiben der Beiden. Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Beklatscht wurde im Grunde jede Aktion. Die dafür notwendigen Klatschelemente waren am Eingang mehr oder weniger Jedem in die Hand gedrückt worden.
Natürlich gestaltete sich die Partie ausgeglichen. Bertrand Gille, Ivan Nincevic, Holger Glandorf und Co. schenkten sich nicht wirklich etwas, machten aber auch nicht so wirklich ernst. Augenscheinlich war es weniger die harte Abwehrarbeit die begeistern sollte, sondern vielmehr die spektakulären Angriffe. Ein Patzer hier, ein Fehlerchen da, das hob weder das Trainergespann Martin Heuberger und Frank Carstens noch die die Allstars betreuenden Alfred Gislason und Jan Gorr von den Sitzen. Auch sie genossen die Stimmung in der Halle.
Heuberger und Carstens vielleicht noch ein wenig mehr als ihre Kollegen, haben sie doch nach wie vor das mehr als mäßige Abschneiden der Deutschen bei der Europameisterschaft zu verdauen. „Wir werden das Turnier in Ruhe analysieren und danach neue Strategien entwickeln, damit die Mannschaft in Zukunft wieder erfolgreich spielt", so der Bundestrainer.
In Spiel eins nach Pascal Hens, der Kapitän der Nationalmannschaft war nach seiner bescheidenen EM-Leistung zurückgetreten, präsentierte sich die deutsche Auswahl insgesamt guter aber nicht überschwänglicher Laune. Den Vorteil der Eingespieltheit gegenüber der „zusammengewürfelten" Allstar-Truppe nutzten sie nicht über Gebühr. Schöne Treffer wurden, natürlich, bejubelt. Besonders Oliver Roggisch, zumindest am Samstag mit der Kapitänsbinde dekoriert, wurde bei seinem Treffer gefeiert. „Naja", meinte die Nummer vier später mit einem Augenzwinkern. „Wenn man so selten mal trifft wie ich, da sind die Tore dann eben besonders wertvoll." Die Stimmung sei bestens versicherte Roggisch. Und auch die EM habe eigentlich „Riesenspaß" gemacht.
An so einem Handball-Abend zeigte sich selbst Nationalkeeper Silvio Heinevetter, eigentlich bekannt für Impulsivität und laute Ausbrüche, bester Laune, zumindest vorübergehend. Denn als er und seine Teamkollegen in der 29. Minute kurzzeitig mit zwei Toren hinten lagen, da zeigte sich der „normale Heine". Ein wenig motzen gegen das Schiri-Duo Lars Geipel und Marcus Helbig und ein mahnender Ruf zu seinen Vorderleuten. Das 18:18 zur Halbzeit schien den 27-Jährigen wieder zu versöhnen. In Hälfte zwei konnte er ohnehin entspannen. Da übernahm Carsten Lichtlein den Job im deutschen Tor.
Dennoch: Albernheit, Leichtigkeit, Unbeschwertheit, sie waren eher auf Seiten der Ligaauswahl zu finden. Da gab Thierry Omeyer schon mal den Siebenmeter-Clown (der Franzose blieb ansonsten auf der Bank) und Kim Andersson und Ivan Nincevic zeigten durchaus spektakuläre Kabinettstückchen, frenetisch gefeiert von den 7532 in der Halle. Der in Diensten des THW Kiel stehende Andersson durfte sich später über die Ehrung zum „Man of the Match" freuen.
Wie kein anderer war nach dem Abpfiff Bertrand Gille von Kameras umringt. War er im vergangenen Jahr noch als Weltmeister nach Leipzig gekommen, hatte er in diesem Jahr keine allzu gute EM-Leistung im Gepäck und gab sich leicht wortkarg. „Wir analysieren das jetzt", so der Franzose, den die Journalisten vor allem nach seiner persönlichen Zukunft fragten. Seit Wochen wird ein Wechsel des Kreisläufers in die französische Heimat kolportiert. „Ich habe Vertrag in Hamburg", meinte Gille knapp und verschwand in genau diese Richtung. „Wir fahren noch heute Abend zurück", sagte er.
Nicht wirklich um die zuvor gespielten 60 Minuten ging es im Anschluss auch bei Silvio Heinevetter. Zentrales Thema war vielmehr seine medial verbreitete deutliche Kritik an DHB-Präsident Ulrich Strombach nach der EM. Er hatte Strombach die Handball-Kompetenz abgesprochen. Statt dessen forderte er einen Kurswechsel beim Verband, mit einer Einheit aus Profis, Hobbysportlern und Nachwuchs. „Das musste mal gesagt werden", verteidigte der Keeper seinen Standpunkt, der bis heute eine Reaktion vermisst. „Bei mir hat sich niemand gemeldet."
Bundestrainer Heuberger sieht die offenen Worte Heinevetters kritisch. „Die Jungs sollten sich auf das Sportliche konzentrieren. So etwas bringt uns nicht weiter."
Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar hat sich auf die Seite von Handball-Nationaltorhüter Silvio Heinevetter gestellt. "Die Kritik ist berichtigt", sagte Kretzschmar bei Sport.1. Allerdings betonte er: "Ob sich ein Silvio Heinevetter hinstellen kann und den Rücktritt eines Präsidenten fordern kann, das ist auch noch eine andere Sache." Als mögliche Nachfolge von Strombach nannte Kretzschmar gleich drei Namen: Heiner Brand, Bob Hanning und Andreas Thiel.
Allstars: Stojanovic; Omeyer; Dresrüsse; Gerlich (4); Duvniak (1); K. Andersson (6); Vukovic (3); Ahlm (2); B. Gille (4); Schmidt (3); Jaszka; Narcisse (4); Nincevic (3); Weber (2); Petersson; Jurecki (1); Jicha; Zrnic (1); Vasilakis (2).
Nationalmannschaft: Heinevetter; Lichtlein; Gensheimer (3/2); Roggisch (1); Klein (3); Pfahl (3/1); Wiencek (3); Theuerkauf (1); Glandorf (3); Christophersen (4); Strobel (2); Sprenger (3); Kaufmann (4); Richwien (2).
Dass sich nach 60 gespielten Minuten das All Star Team gegen die Deutsche Nationalmannschaft mit 36:32 (18:18) durchsetzte, war natürlich schön für die Sieger, aber im Grunde nur eine Randnotiz. Denn wenn sich die deutsche Auswahl und die von den Fans zusammengestellten Besten der Liga messen, dann geht es um Party, um Spaß, einfach darum zu zeigen: Handball, das ist schon lange keine Randsportart mehr.
Enttäuscht wurden nur diejenigen, die gehofft hatten, Vertreter des frisch gebackenen Europameisters Dänemark auf dem Parkett zu erleben. Weder Hans Lindberg noch Anders Eggert liefen auf. Lindberg hatte sich bereits im Vorfeld mit einer Rückenverletzung abgemeldet. Eggert sagte ebenso wie sein Flensburger Teamkollege Mattias Andersson am Samstagmorgen ab.
Wie Frank Bohmann, Geschäftsführer der Toyota HBL auf Anfrage sagte, sei eine Erkältung der Grund für das Fernbleiben der Beiden. Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Beklatscht wurde im Grunde jede Aktion. Die dafür notwendigen Klatschelemente waren am Eingang mehr oder weniger Jedem in die Hand gedrückt worden.
Natürlich gestaltete sich die Partie ausgeglichen. Bertrand Gille, Ivan Nincevic, Holger Glandorf und Co. schenkten sich nicht wirklich etwas, machten aber auch nicht so wirklich ernst. Augenscheinlich war es weniger die harte Abwehrarbeit die begeistern sollte, sondern vielmehr die spektakulären Angriffe. Ein Patzer hier, ein Fehlerchen da, das hob weder das Trainergespann Martin Heuberger und Frank Carstens noch die die Allstars betreuenden Alfred Gislason und Jan Gorr von den Sitzen. Auch sie genossen die Stimmung in der Halle.
Heuberger und Carstens vielleicht noch ein wenig mehr als ihre Kollegen, haben sie doch nach wie vor das mehr als mäßige Abschneiden der Deutschen bei der Europameisterschaft zu verdauen. „Wir werden das Turnier in Ruhe analysieren und danach neue Strategien entwickeln, damit die Mannschaft in Zukunft wieder erfolgreich spielt", so der Bundestrainer.
In Spiel eins nach Pascal Hens, der Kapitän der Nationalmannschaft war nach seiner bescheidenen EM-Leistung zurückgetreten, präsentierte sich die deutsche Auswahl insgesamt guter aber nicht überschwänglicher Laune. Den Vorteil der Eingespieltheit gegenüber der „zusammengewürfelten" Allstar-Truppe nutzten sie nicht über Gebühr. Schöne Treffer wurden, natürlich, bejubelt. Besonders Oliver Roggisch, zumindest am Samstag mit der Kapitänsbinde dekoriert, wurde bei seinem Treffer gefeiert. „Naja", meinte die Nummer vier später mit einem Augenzwinkern. „Wenn man so selten mal trifft wie ich, da sind die Tore dann eben besonders wertvoll." Die Stimmung sei bestens versicherte Roggisch. Und auch die EM habe eigentlich „Riesenspaß" gemacht.
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Foto: dpa
7500 Zuschauer in der Arena Leipzig erlebten ein packendes Spiel der DHB-Nationalmannschaft und des 2012er Handball-All-Star-Teams.
Dennoch: Albernheit, Leichtigkeit, Unbeschwertheit, sie waren eher auf Seiten der Ligaauswahl zu finden. Da gab Thierry Omeyer schon mal den Siebenmeter-Clown (der Franzose blieb ansonsten auf der Bank) und Kim Andersson und Ivan Nincevic zeigten durchaus spektakuläre Kabinettstückchen, frenetisch gefeiert von den 7532 in der Halle. Der in Diensten des THW Kiel stehende Andersson durfte sich später über die Ehrung zum „Man of the Match" freuen.
Wie kein anderer war nach dem Abpfiff Bertrand Gille von Kameras umringt. War er im vergangenen Jahr noch als Weltmeister nach Leipzig gekommen, hatte er in diesem Jahr keine allzu gute EM-Leistung im Gepäck und gab sich leicht wortkarg. „Wir analysieren das jetzt", so der Franzose, den die Journalisten vor allem nach seiner persönlichen Zukunft fragten. Seit Wochen wird ein Wechsel des Kreisläufers in die französische Heimat kolportiert. „Ich habe Vertrag in Hamburg", meinte Gille knapp und verschwand in genau diese Richtung. „Wir fahren noch heute Abend zurück", sagte er.
Nicht wirklich um die zuvor gespielten 60 Minuten ging es im Anschluss auch bei Silvio Heinevetter. Zentrales Thema war vielmehr seine medial verbreitete deutliche Kritik an DHB-Präsident Ulrich Strombach nach der EM. Er hatte Strombach die Handball-Kompetenz abgesprochen. Statt dessen forderte er einen Kurswechsel beim Verband, mit einer Einheit aus Profis, Hobbysportlern und Nachwuchs. „Das musste mal gesagt werden", verteidigte der Keeper seinen Standpunkt, der bis heute eine Reaktion vermisst. „Bei mir hat sich niemand gemeldet."
Bundestrainer Heuberger sieht die offenen Worte Heinevetters kritisch. „Die Jungs sollten sich auf das Sportliche konzentrieren. So etwas bringt uns nicht weiter."
Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar hat sich auf die Seite von Handball-Nationaltorhüter Silvio Heinevetter gestellt. "Die Kritik ist berichtigt", sagte Kretzschmar bei Sport.1. Allerdings betonte er: "Ob sich ein Silvio Heinevetter hinstellen kann und den Rücktritt eines Präsidenten fordern kann, das ist auch noch eine andere Sache." Als mögliche Nachfolge von Strombach nannte Kretzschmar gleich drei Namen: Heiner Brand, Bob Hanning und Andreas Thiel.
Allstars: Stojanovic; Omeyer; Dresrüsse; Gerlich (4); Duvniak (1); K. Andersson (6); Vukovic (3); Ahlm (2); B. Gille (4); Schmidt (3); Jaszka; Narcisse (4); Nincevic (3); Weber (2); Petersson; Jurecki (1); Jicha; Zrnic (1); Vasilakis (2).
Nationalmannschaft: Heinevetter; Lichtlein; Gensheimer (3/2); Roggisch (1); Klein (3); Pfahl (3/1); Wiencek (3); Theuerkauf (1); Glandorf (3); Christophersen (4); Strobel (2); Sprenger (3); Kaufmann (4); Richwien (2).
© Döbelner-Allgemeine-Online, 04.02.2012, 22:28 Uhr
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