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Leipzig will Unesco-Welterbestätte werden - Jung übergibt Antrag an den Freistaat

Stefanie Büssing

  • Michael Faber, Burkhard Jung und Werner Schneider mit der Bewerbung für die Liste der Unesco Welterbestätten.
    Foto: Andr Kempner
    Michael Faber, Burkhard Jung und Werner Schneider mit der Bewerbung für die Liste der Unesco Welterbestätten.
Leipzig. Jetzt ist es offiziell: Am Dienstag, dem letzten Tag der Bewerbungsfrist für die Aufnahme auf die sächsische Vorschlagliste für die Unesco-Welterbestätten, tütete Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) symbolisch den 21-seitigen Bewerbungsantrag an den Freistaat ein. Leipzig bewirbt sich mit acht ausgewählten Gebäuden der Leipziger Notenspur - darunter Thomas- und Nikolaikirche, Bose- und Mendelssohnhaus und die Hochschule für Musik und Theater - um die Aufnahme in das Weltkulturerbeprogramm.



„Wir dürfen zurecht stolz sein, auf die einmalige Tradition dieser Stadt", sagte Jung in der Leipziger Grieg-Begegnungsstätte, die extra für diesen Anlass ausgewählt worden war. Es gäbe keine andere Stadt, die so viele bedeutende Komponisten hervorgebracht habe und über eine solche Dichte an historischen Orten verfüge, so Jung. Dabei war ihm eins besonders wichtig: „Das sind keine Denkmäler, die man begeht, sondern es sind authentische Orte, an denen Musik stattfindet und auch gelebt wird."

Gerade diese Verbindung sei es, die Leipzig im Vergleich zur Konkurrenz ausmache: „Bisher ist kein Baudenkmal wegen seines Musikbezuges auf die Welterbeliste aufgenommen worden, daher rechnen wir uns besonders auf internationaler Ebene hohe Chancen aus", sagte Jung. Dies hatten vorab auch die Ergebnisse einer Studie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus ergeben, die sich in einem Kooperationsprojekt mit der Leipziger Notenspur mit diesem Thema befasst hatte.

Neben Leipzig gibt es sieben weitere Bewerber in Sachsen, darunter sind die Montanregion Erzgebirge, die Gartenstadt Hellerau in Dresden, die historische Innenstadt von Görlitz, die Sächsisch-Bömische Schweiz und der Versteinerte Wald in Chemnitz. In den zurückliegenden Jahren habe es eine Fülle von Burgen und Schlössern gegeben, sagte Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos). „Für solche Antragssteller wird es daher sicher schwerer." Weltweit stehen laut Faber zurzeit 890 Denkmäler auf der Welterbeliste, davon allein 32 in Deutschland.

Um auf die Unesco-Welterbeliste aufgenommen zu werden, müssen die Bewerber mindestens eins von zehn Kriterien erfüllen. „Wichtig ist es, den universellen Wert eines Denkmals herauszustellen", betonte Werner Schneider, Leiter der Notenspur-Initiative. Die Leipziger Notenspur wird ab dem 12. März auf mehr als fünf Kilometern die Wirkungsstätten berühmter Komponisten miteinander verbinden. Seit 2005 setzt sich die Initiative - eine Interessensgemeinschaft von Privatpersonen, Vereinen und Institutionen - dafür ein, das musikalische Erbe Leipzigs in einem Stadtspaziergang erlebbar zu machen.

„Wir haben lange darüber nachgedacht, wann wir uns als Welterbestätte bewerben", verrät Jung. „Den richtigen Schwung, uns dieser Aufgabe zu stellen, haben wir durch die Leipziger Notenspur bekommen", so der Oberbürgermeister. „Ohne das bürgerliche Engagement wären wir nicht so sicher gewesen, dass wir als Stadt gut aufgestellt sind und ein breites Einverständnis in der Bevölkerung haben."

Weil die Vorschlagsliste der Unesco-Welterbestätten von 1998 in einigen Jahren abgearbeitet sei, müsse nun eine neue Liste erarbeitet werden, erklärte Dieter Offenhäußer von der deutschen Unesco-Kommission in Bonn auf Anfrage. Bis zum Herbst 2012 kann jedes Bundesland dafür zwei Vorschläge an die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) weitergeben, diese wählt von maximal 32 Bewerbern rund die Hälfte aus, die auf die neue Vorschlagsliste kommen. „Wer in dieser Runde nicht auf der Liste steht muss zwischen zehn und zwanzig Jahren warten, bis es die nächste Möglichkeit dazu gibt", so Offenhäußer. Welche Bewerber dies in Sachsen sein werden, soll ein Expertengremium aus Ministerien, Institutionen, Verbänden und Interessenvertretungen entscheiden.  

 


© Döbelner-Allgemeine-Online, 31.01.2012, 15:14 Uhr
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